Gedichte aus verschiedenen Epochen – Sammlung mit Analyse
Edumaps Wissen🌿 Barock: „Es ist alles eitel“ – Andreas Gryphius
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Autor: Andreas Gryphius
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Entstehungsjahr: 1637
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Thema: Vergänglichkeit, Vanitas-Motiv, Sinnsuche im Angesicht des Todes
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Stilmittel: Antithese, Alliteration, Metapher, Anapher
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Kurze Interpretation:
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Das berühmte Gedicht steht beispielhaft für die Barockdichtung und die Vergänglichkeit allen Irdischen. Gryphius verwendet zahlreiche Gegensätze, um die fragile Existenz des Menschen hervorzuheben. Die immer wiederkehrende Betonung der Eitelkeit aller Dinge unterstreicht die barocke Vanitas-Vorstellung. Durch Metaphern wie „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein“ wird die Unsicherheit und Kurzlebigkeit des Daseins vermittelt. Das Gedicht ruft dazu auf, sich auf jenseitige Werte zu konzentrieren, da alles Weltliche dem Verfall preisgegeben ist.
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⚙ barock
🌹 Sturm und Drang: „Willkommen und Abschied“ – Johann Wolfgang von Goethe
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Autor: Johann Wolfgang von Goethe
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Entstehungsjahr: 1771
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Thema: Liebe, Naturerlebnis, Abschiedsschmerz
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Stilmittel: Personifikation, Symbolik, Vergleiche, starke Farbadjektive
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Kurze Interpretation:
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Goethes Gedicht thematisiert die Leidenschaft und widersprüchlichen Gefühle des Liebenden. Die Natur spiegelt die emotionale Aufgewühltheit des lyrischen Ichs wider. Personifikationen („den dunkeln Weg“) und farbenreiche Bilder wie „Blütenregen“ unterstreichen das Naturerleben. Im Kontrast zu „Willkommen“ und „Abschied“ wird das Hin- und Hergerissensein zwischen Euphorie und Trauer deutlich. Das Gedicht verkörpert die zentralen Motive des Sturm und Drang: starke Gefühle und die Verschmelzung mit der Natur.
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⚙ sturmdrang
🦋 Romantik: „Mondnacht“ – Joseph von Eichendorff
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Autor: Joseph von Eichendorff
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Entstehungsjahr: 1835
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Thema: Sehnsucht, Verschmelzung von Natur und Seele, Transzendenz
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Stilmittel: Metapher, Personifikation, Alliteration, Symbolik
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Kurze Interpretation:
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„Mondnacht“ ist ein Inbegriff der romantischen Dichtung. Eichendorff stellt in dem Gedicht die Verbindung von Mensch und Natur in den Mittelpunkt. Der Mondnacht wird eine eigene Seele zugeschrieben („die Welt so still, als wär’s des Todes Stille“). Stilmittel wie Metapher („die Erde träumte“) und Symbolik (Mond als Sehnsuchtsträger) schaffen eine magisch-melancholische Atmosphäre. Das lyrische Ich erlebt eine innere Reise und Verschmelzung mit der Natur, was die romantische Grundidee der Einheit von Mensch und Kosmos widerspiegelt.
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⚙ romantik
⚙️ Moderne: „Weltende“ – Jakob van Hoddis
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Autor: Jakob van Hoddis
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Entstehungsjahr: 1911
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Thema: Bedrohung, Katastrophe, Zerfall der zivilisierten Welt
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Stilmittel: Ironie, Hyperbel, Parallelismus, Chiffre
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Kurze Interpretation:
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Das Gedicht beschreibt in übersteigerter Weise eine apokalyptische Katastrophe. Die Modernität drückt sich durch die Verwendung von Ironie („Den meisten fehlt das Dach“) und Hyperbeln („Die Eisenbahnen fallen von den Brücken“) aus. Formen wie der Parallelismus erhöhen die Dramatik. Die Alltagssituation wird mit einer bevorstehenden Weltkatastrophe kontrastiert, sodass das Gedicht die allgemeinen Unsicherheiten und Ängste der modernen Zeit greifbar macht.
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⚙ moderne
🗯️ Gegenwart: „Stilles Land“ – Nora Gomringer
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Autor: Nora Gomringer
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Entstehungsjahr: 2011
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Thema: Lebensgefühl heutzutage, Entschleunigung, innere Unruhe
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Stilmittel: Enjambement, Wiederholung, Ironie, Wortspiel
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Kurze Interpretation:
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Gomringers Gedicht setzt sich mit dem Wunsch nach Ruhe in einer lauten, hektischen Welt auseinander. Durch wiederkehrende Wendungen und Enjambements entsteht ein Gefühl von Kontinuität und gleichzeitigem Stocken. Die Ironie des „Stillen Landes“ verdeutlicht die Zerrissenheit zwischen Wunsch und Realität. Die Sprache ist pointiert, humorvoll und kritisch zugleich. Es lädt dazu ein, über das eigene Leben und den Wunsch nach Entschleunigung nachzudenken – ein zentrales Motiv der Gegenwartslyrik.
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⚙ gegenwart