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Prozesskompass SElbstlernen DIgital - das 4-Phasen-Modell des MPZ Meißen

wird ständig aktualisiert B.Kulke (MPZ Meißen)

Überblick

Worum gehts?

  • Konkrete, schrittweise Implementierung von digitalgestütztem Selbstlernen an weiterführenden Schulen – niedrigschwellig und sofort umsetzbar
  • Didaktisches Leitprinzip der Fortbildung:
    „Klein anfangen – stabil verankern – systematisch erweitern“

Zielgruppe

    • Lehrkräfte der weiterführenden Schulen,
    • Schulleitungen,
    • Steuergruppen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung,
    • pädagogisches Personal (z. B. Schulassistenzen).

Was springt für die Schule dabei raus?

  • Nach der Begleitung steht
  • ✔ ein Pilotformat
  • ✔ feste Lernzeiten
  • ✔ klare Abläufe
  • ✔ einfache Lernsettings
  • ✔ einheitliche digitale Struktur
  • ✔ organisatorische Verankerung
  • ✔ arbeitsfähige Standards
  • → Selbstlernen ist organisatorisch möglich, didaktisch umsetzbar und digital tragfähig.

Struktur

  • Wir beraten Sie strukturiert - egal, an welchem Punkt Sie gerade stehen -, um "Selbstlernen Digital" an Ihrer Schule bedarfsgerecht und unter Berücksichtigung Ihrer Ressourcen zu implementieren.
  • Dabei bieten wir Unterstützung in folgenden Phasen an:
    • Phase 1 - Startklar werden (zentrale Fragestellungen, Ressourcenanalyse, Zeitmodell und Organisationsstruktur festlegen, Pilotstruktur entwickeln)
    • Phase 2 - Schülerkompetenzen stärken (Kompetenzerhebung, Medien- und Lernkompetenz stärken)
    • Phase 3 - Funktionierende Lernsettings bauen (Selbstlernphasen gestalten, Aufgabenformate festlegen, (analoge und/oder digitale) Tools auswählen, konkrete Aufgabenformate entwickeln)
    • Phase 4 - Jetzt gehts los! (Problembehebung, Feedback und Evaluation, Fortbildung weiterer Lehrkräfte)

Material - Wissensportal

SRL und SOL etablieren

Schülercheckliste

Lehrercheckliste

Phase 1 - Startklar werden

zentrale Fragestellungen

    • Wie müsste Lernen organisiert werden, damit ALLE SchülerInnen Lernfortschritte machen?
    • Wie müsste Schule gestaltet werden, damit SchülerInnen ihre Persönlichkeit entwickeln können?
    • Wie lernen SchülerInnen Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen?
    • Wie können wir Fördern und fordern, ohne die Tage zu lang werden zu lassen?
    • Wie können Lernphasen individualisiert werden?
    • Wie können SchülerInnen auch eigene Schwerpunkte setzen und ihren Interessen nachgehen (selbstbestimmter lernen)?
    • Wie sichern wir Grundlagen?

zu Beachten

  • Gelingensbdedingungen für gemeinschaftliches Selbstlernen
  • Einbettung in den Gesamtkontext von Unterricht
  • Was erwarten wir voneinander im miteinander
  • Ziel ist nicht ausschließlich individualisierter Unterricht, sondern adaptiver Unterricht (bezieht Heterogenität, unterschiedliche Leistungsniveaus, herkunftsbezogene Benachteiligung usw. in die Unterrichtsentwicklung ein)

Wie starten wir, ohne uns zu verzetteln?

  • Kurze Schulrealitätsanalyse:
    • Welche Ressourcen stehen bereits zur Verfügung?
    • Wie wird das bisher gesteuert?
    • Welche Kultur herrscht an unserer Schule bezüglich digitalgestützten Lernens?
    • Wie ist der Fortbildungsstand diesbezüglich im Kollegium?
    • Welche Kompetenzen haben unsere Schüler bereits?
    • Woran können wir anknüpfen?
  • Ergebnis:
    Arbeitsdefinition: Was verstehen wir an unserer Schule unter (digitalgestütztem) Selbstlernen? (bisher/ zukünftig)

Wo wollen wir hin und wie organisieren wir das? - Rahmenbedingungen festlegen

  • Was bedeutet SEDI für uns?
  • Aufgaben und Materialien werden digital zur Verfügung gestellt und/oder Lernende arbeiten mit digitalen Medien?
  • Szenario 1: Digital bereitgestellt, analoge Ergebnissicherung
  • Mathematik:
    Die Lehrkraft stellt auf LernSax oder in einer EduMap einen Lernpfad mit Erklärvideos und Aufgaben zum Thema „Prozentrechnung" bereit. Die Schülerinnen und Schüler schauen die Videos in ihrem eigenen Tempo und bearbeiten die Aufgaben schriftlich in ihrem Mathematikheft.
  • Szenario 2: Digital bereitgestellt, digitale Ergebnissicherung
  • Englisch:
    Vokabelübungen und Grammatikaufgaben werden digital auf einer Lernplattform bereitgestellt. Die Lernenden bearbeiten die Aufgaben direkt in der Plattform, erhalten automatisches Feedback und speichern ihre Ergebnisse im persönlichen digitalen Portfolio.
  • Szenario 3: Analoge Aufgaben, digitale Bearbeitung auf iPads
  • Geschichte:
    Als Grundlage dient das gedruckte Schulbuch mit Aufgaben zur Französischen Revolution. Die Lernenden nutzen ihre iPads ergänzend, um kurze Erklärvideos anzusehen, Begriffe nachzuschlagen oder eine digitale Mindmap als Strukturierungshilfe zu erstellen. Die Aufgabenlösung erfolgt digital auf dem iPad.
  • Wann und wie findet das Selbstlernen statt und wie wird es tragfähig?
    • Zeitmodell festlegen
    • Organisationsstruktur festlegen (Wer ist wofür verantwortlich?)
    • Pilotstruktur entwickeln

Schritt 1

  • Zeitmodelle für Selbstlernen festlegen
  • Ziel: Realistische (umsetzbare) Zeitfenster entwickeln
  • Beispielmodelle:
  • Modell A – Integriert
  • Selbstlernphasen im Fachunterricht
(10–20 Min Sequenzen)
  • Modell B – Lernzeitenmodell
  • 1–2 feste Wochenstunden als Lernzeit
  • Modell C – Hybrid
  • Fach + Lernzeit kombiniert
  • mögliches Ergebnis (Entscheidung):
  • z. B.:
  • „Unsere Schule startet mit Modell C:
  • Eine feste Lernzeit + integrierte Selbstlernphasen im Fachunterricht.“

Schritt 2

  • Organisationsmodell
  • Ziel: Zuständigkeiten klären
  • Rollenmodelle:
    • Koordinator:in Selbstlernen
    • Steuergruppenbezug
    • Fachschaftsverantwortung
    • IT-Anbindung
    • Schulleitungsanbindung
  • Methode:
    Organigramm "Zuständigkeiten- Selbstlernen" erstellen
  • mögliches Ergebnis:
  • - SL: strategische Steuerung
    - Steuergruppe: Entwicklung und Koordination
    - Fachschaften: Umsetzung
    - IT: technische Stabilität

Schritt 3

  • Pilotstruktur entwickeln
  • Ziel: Einstieg ohne Überlastung
  • Parameter:
    • Jahrgang
    • Fächer
    • Umfang
    • Zeitfenster
    • Beteiligte Personen
  • mögliches Ergebnis:
  • Pilotstruktur:
  • Jahrgang: 7
    Fächer: Deutsch, Mathematik
    Zeit: 1 Lernzeit/Woche
    Dauer: 1 Schuljahr
    Beteiligte: 4 Lehrkräfte
    Begleitung: Steuergruppe + MPZ

Schritt 4

  • Steuerungslogik
  • Ziel: System statt Aktionismus
  • Steuerungselemente:
    • Regeltermine festlegen
    • Feedbackschleifen festlegen
    • Evaluation light als System entwickeln
    • Anpassungsmechanismen überlegen
  • mögliches Ergebnis:
  • Alle 8 Wochen:
  • Kurzfeedback Lehrkräfte
  • Kurzfeedback Lernende
  • Steuergruppensitzung
  • Anpassung der Pilotstruktur, wenn nötig

Material

  • Überblick Medienbildung & Digitalisierung
  • Informationsmodul für Lehrkräfte: "Digital? Gecheckt!"
  • Überblick 5K-Modell - Kompetenzen für das 21. Jahrhundert

Phase 2 - Schülerkompetenzen stärken

Lücken schließen - Stärken sichtbar machen

  • Was können unsere Schüler aktuell noch nicht, was sie für selbstständiges Lernen brauchen?
  • z. B.
    • Planung
    • Strukturierung
    • Durchhaltevermögen
    • Motivation
    • Feedbacknutzung
    • Organisation
    • Nutzung und Anwendung von Endgeräten (iPad, Laptops)
    • Nutzung/Anwendung von LMS und Tools (z.B. LernSax, LearningView, LearningApps,...)

Infomaterial

Arbeitsmaterial zur Kompetenzerhebung

Tabletführerschein

KI-Führerschein

(Beispiel)-Arbeitsauftrag für Fobi

(Beispiel)-Ergebnis

Phase 3 - Funktionierende Lernsettings bauen

Wie sieht eine Selbstlernphase konkret aus?

  • Rollenklärung Lehrkraft:
  • • keine Stoffvermittlung
  • • Lernbegleitung
  • • Strukturhilfe
  • • Feedbackgeber
  • einheitliches Aufgabenformat (Vorlage):
    1. Ziel
    2. Aufgabe
    3. Hilfen
    4. Ergebnisform
  • Standardstruktur für Selbstlernphasen:
    1. Startimpuls
    2. Arbeitsphase
    3. Unterstützung
    4. Ergebnissicherung
    5. Abgabe/ Feedback

Lernaufgabenformat

  • Standard-Lernaufgabe enthält immer:
    • Lernziel
    • Zeitrahmen
    • Arbeitsschritte
    • Materialien
    • Selbstcheck
    • Abgabeform
    • Feedbackform
  • Ergebnis:
  • Schulisches Lernaufgaben-Template
(analog + digital einsetzbar)

Toolstrategie-Labor

    • Mit welchen Tools wird bereits gearbeitet?
    • Wer nutzt diese? (alle/einzelne)
    • Gibt es Dopplungen/ Redundanzen?
    • Welche weiteren/ neuen Tools wären sinnvoll, um funktionierende Lernsettings zu bauen?
    • Eventuell: Welche Tools benötigen wir darüber hinaus für Organisation, Evaluation, Feedback, usw.?
  • (Beides muss eventuell angepasst werden, da auf dem "alten" 1. Modulentwurf beruhend)

Wie verhindern wir Tool-Chaos und Insellösungen?

  • Fokus:
    Digitale Ordnung statt Toolvielfalt.
  • Entscheidungen, die zu treffen sind:
  • Wie schaffen wir eine einheitliche digitale Grundstruktur?
    • ein Lernraum
    • ein Abgabeort
    • ein Kommunikationskanal
  • Welche Funktionen müssen erfüllt werden?
    • Lernpfade/Aufgaben bereitstellen
    • Material bereitstellen
    • Rückmeldung ermöglichen
    • Dokumentation ermöglichen
  • Verbindlichkeiten:
    • was ist Standard
    • was ist optional

Aufgabenformate entwickeln - Wie fange ich an?

    • Einzel-Fobis am MPZ (oder in Schulen) nach bewährter Art zu Mediathek, KI, Canva, ...
    • Workshops (z.B. Eine Selbstlernumgebung bauen mit Genially/Canva; Einen Lernplan erstellen mit LernSax; ...)

Phase 4 - Jetzt gehts los!

Hierbei können wir unterstützen:

  • 🆘 Schnelle Hilfe (Anlaufstelle bei Problemen)
  • 🔄 Möglichkeiten von Feedback-Schleifen (Schüler- & Lehrkräfte-Feedback)
  • 🎓 Fortbildungen und Workshops

Unterstützungssysteme und Ideen

Einfach loslegen - mit dem FREI DAY

LifeTeachUs - das Leben in die Schule holen

  • Etwa 1.000.000 Stunden Unterricht fallen pro Woche an deutschen Schulen aus.
  • 59% der Schüler in Deutschland fühlen sich nicht ausreichend auf das Leben vorbereitet.

  • Das Non-Profit-Start up "LifeTeachUs" möchte dagegen etwas tun.
  • Hier informieren
  •  

RealLabor - die friedliche Bildungsrevolution

  • Das RealLabor Leipzig ist ein physischer Ort in Leipzig
  • Anschrift: Brühl 48, 04109 Leipzig
    info@reallabor-leipzig.de
    Tel. +49.173.588 59 56
    Ansprechpartnerin: Ute Puder
  • der als Zentrum für eine „friedliche Bildungsrevolution" dient und Schulen sowie Einzelpersonen beim Wandel des Schulsystems unterstützt. Es fungiert alsTreffpunkt für Pädagog:innen, Schüler:innen, Eltern und Aktivist:innen, um neue Bildungskonzepte zu diskutieren, Rat bei Schulalltagsproblemen zu holen und sich zu vernetzen. Inzwischen gibt es auch in Dresden (und weiteren deutschen Städten) ein RealLabor.

Rollenverständnis Lehrkraft

Lehrkraft als Lerncoach

Aus dem Interview mit Bildungsforscher Thorsten Bohl

  • Viele Schulen haben inzwischen verstanden, dass sie Freiheitsgrade sehr genau dosieren müssen. Sie arbeiten zum Beispiel mit Graduierungssystemen: Schülerinnen und Schüler bekommen nicht von Anfang an ein hohes Maß an Freiheit, sondern wachsen schrittweise hinein. Wenn sie zeigen, dass sie selbstständig arbeiten, ihre Lernprozesse steuern und auch anspruchsvollere Aufgaben lösen können, bekommen sie mehr Verantwortung.
  • Gerade leistungsschwächere oder benachteiligte Kinder brauchen dabei zunächst enge Unterstützung und Hilfe bei der Auswahl und Bearbeitung der Aufgaben.
  • Daraus folgt aber nicht, dass sie nicht selbstständig arbeiten sollen. Im Gegenteil: Auch sie müssen erleben können, dass sie anspruchsvolle Aufgaben bewältigen können. Sonst bleibt Schule für sie ein Ort, der ihnen immer wieder zurückmeldet: Du kannst es nicht. Das Gegenteil muss der Fall sein: Sie müssen Schule als eine staatliche Institution erleben, die ihnen etwas zutraut, in der sie sich als selbstwirksam erleben können und in der sie sich gerne aufhalten und wohlfühlen.
  • Quelle: Deutsches Schulportal der Robert Bosch Stiftung